Wie und wann entstand Winden:

Wann sich die ersten Menschen hier ansiedelten, ist weitgehend unbekannt. Es ist aber wohl schon tausend Jahre her, seit die ersten Behausungen (Mansen) hier standen. Bei der Errichtung einer Behausung sahen die Alten hauptsächlich auf zwei Gegebenheiten: Wasser und Schutz vor den kalten Ost – und Nordwinden. Beide waren hier vorhanden. So schmiegten sich die ersten Behausungen Windens eng an die sie schützenden Hänge des „Forschtes“, der „Leitz“, der „Hohl“ und des Ackers an. Die heutigen Straßenzüge der „Hohl“, der „Leitz“, und des „Oberalterweges“ werden der älteste Teil des Dorfes sein. Da außerhalb dieses schützenden Geheges der Höhenwind recht kräftig blies, – und auch heute noch bläst – mag dieser Umstand wohl eventuell wesentlich zur Namensgebung des Dorfes beigetragen haben.

Wortlaut der ältesten Urkunde vom 23. April 1250

urkunde

ORIGINAL TEXT:
„In nomini Domini amen. Ego Mechthildis nobilis matrona quondam de Saina comitissa, universis Christi fidelibus tam presentibus quam futuris notum esse volo quod cum iure proprietatis possidere villam dictam Winden cum omnibus suis attinenciis … “

 Ich, Mechthildis, vornehme Frau, weiland Gräfin von Sayn, tue allen Christgläubigen, gegenwärtigen und zukünftigen, kund und zu wissen, dass ich das mir gehörige Dorf Winden mit allen Rechten zu meinem eigenen Seelenheil und auch zum Seelenheil meines verstorbenen (Ehegatten) Herrn Heinrich, ehemaligen Grafen von Sayn dem ehrwürdigen Abt Theodor und dem Konvent Arnstein für 353 Mark Kölnisch Geld mit demselben Eigentumsrecht, welches ich selbst besaß, verkauft habe. Zu diesem Ort gehören sowohl die Bewohner als auch die zugehörigen Güter. Der Besitz soll nicht von üblen Menschen angetastet werden. Ich verzichte auch auf meine Eigengüter, die ich vor den unterzeichneten Zeugen dem oben gedachten Abt übergebe mit dem Versprechen, dem Kloster auf Jahr und Tag die genannten Güter zu übergeben, wie es Brauch ist. Auch wenn inzwischen von seiten meiner Erben gegen diesen Verkauf eine Beschwerde oder eine Anfechtung erfolgen sollte, weil ich mich vom Gesetz entfernt habe, dann werde ich deswegen das Kloster schadlos halten und den Einspruch beseitigen. Außerdem werde ich meinen treuen Ministerialen (Beamten) Lambert von Neuerburg nach Winden schicken, um den Abt und das Kloster vor der Öffentlichkeit mit der gebührenden Feierlichkeit in den vollständigen Besitz dieser Güter zu setzen. Dafür wird das Kloster Arnstein und die untergebenen Kirchen ein Plenum Officium (Gottesdienst) halten für meinen Gatten Graf Heinrich, an seinem Jahrgedächtnis, für meine Seelenruhe nach meinem Tode, eine gewöhnliche Memoire für meinen Vater und meine Mutter an ihrem Jahrestage.

Geschehen i. J. 1250                (Unterschrift der Gräfin)

Dieser Verfügung wohnten als Zeugen bei:

Ortwin, Probst von Brunnenburg
Jakob, Scholastiker in Arnstein,
Herbrordus, mein Kaplan,
Fr. Konrad von Rommersdorf,
Conrad, dapifer Truchseß von Brisick,
Lambert, Ritter von Neuburg,
Wilhelm von Staffel und sein Bruder sowie viele andere

Damit dieses Schriftstück aber seine Gültigkeit und Rechtswirkung erhält, habe ich mein Siegel aufgedrückt. Gegeben zu Bersdorf, 8 Kal. Maii (23.April).

Bedauerlicherweise ist diese Urkunde im Original nicht mehr vorhanden. Im Wiesbadener Hauptstaatsarchiv gibt es noch eine fehlerhafte Abschrift vom Ende des 18. Jahrhunderts. Das Original ist in den Revolutionswirren verschwunden. Ein Teil von diesen Akten wurde von Karl Herquet 1883 veröffentlicht. Darin trägt die Windener Urkunde die Nummer 27.

Nachdem die Gräfin Mechthilde am 4. Oktober des gleiche Jahres auch die Pfarrkirche zu Winden der Abtei Arnstein geschenkt hat, muss sie erleben, dass der bisherige Rektor der Kirche, Konrad von Nordhofen, dem Kloster Arnstein wegen Entziehung seiner Einkünfte Schwierigkeiten machte. Erst 1263 wurde der Streit durch einen Schiedsspruch beigelegt. Arnstein musste ihm auf einen Klosterhof und auf die Mühle zu Oberlahnstein eine Geldgüte versprechen. Gräfin Mechthildis hatte noch einmal vor dem Erzbischof von Trier bekannt, dass sie die Kirche zu Winden an Arnstein geschenkt habe. Diese Urkunde gebe ich ebenfalls im Original wieder, da sie eine der ersten deutschen Urkunden ist.

„Heirre er abbet von Beatusberge und ir her schoilemeister unde her kostere van Sente Florini ze Covelence. Ich Mechthild wilen grevinne van Seyn gruzen uch in unser herrin gode. Ir sult datt wizzen dat ich was vore minen heirre van Trire, got si ime genedich. Alda was der abbet van Arenstein unde her Wilhelm van Staffele. Da sprach her Wilhelm, hene wulde nit gan an geinen brif mar an mine wort, wat ich selve spreche. Da enwuld ich nit srechen, ich enhedde gesprochen bit den die bit mir darane waren. Du ich si gesprach du sprachen si, dat it also were, als der brif sprichet, dat ich deme gotshusen van Arenstein geve die kirche zu Windin liven herrin sele unde mine unde mines vader unde miner muder.“

 

Der Name Winden:

Es gibt zwei Deutungen für den Namen Winden, die von der obigen, eher Volkstümlichen Erklärung abweichen: Nach Herrn Gensicke, soll Karl der Große Anfang des 9. Jahrhunderts unterworfene Slawen (Wenden) in diesem öden Landstrich angesiedelt haben. Diese Darstellung wird umso glaubhafter, da die Windener sich bis auf den heutigen Tag in Lebensart und Auftreten von den Bewohnern der Nachbargemeinden unterscheiden. Nach der Version im Buch von W. Metzler „Die Ortsnamen des nass. Westerwaldes“, leitet sich der Name Winden vom Althochdeutschen Wunja, Wunna, Wunni, mittelhochdeutsch Wunn, Wünn ab, als Sammelname für alt und mittelhochdeutsch Winniti, Winidi d.h. Gelände mit Weideplätzen. Der Name bedeutet – im Dativ Plural „Bei den Weideplätzen“. Nach Schade ist das Wunna die Busch – und Wald – (Laub – ) Weide ist, während Winna als Wiesen – Feldheide, d.h. Grasweide bezeichnet wird.

 

Das Wappen:

Zum Wappen von Winden, dem schwarzen Doppelkreuz im silbernen Feld ist zu sagen, dass es als Gemerke, als Eigentumszeichen galt. Es war auf Grenzsteinen und Malbäumen eingehauen. 1659 und 1667 wird es genannt: Es wird bezeugt, dass es schon im 16. Jh. Angebracht worden ist. Seit 1951 wird es als Gemeindesiegel verwendet.

 

Beschreibung der damaligen Tracht:

Durch ihre Armut waren die Bewohner gezwungen, den blauen Kittel zu tragen (daher der Name „Blaukittel“ für die Bewohner dieser Gegend). Nur die wenigen Bessergestellten konnten sich den Sonntagsstaat der kurtriererischen Tracht leisten:

Weißgraue Kniehosen, – weiße Strümpfe, – mit Metallknöpfen besetzt, schwarz – oder gelbbebordete Weste, – dunkelblauer Rock mit talergroßen Knöpfen und breitseitig getragener Dreispitz – für Männer. Glockenförmiger Tuchrock, – litzen und borten – benähte „Taille“ aus Musselin oder Kaschmirwolle, – Samt- oder Seidenkäppchen, – bei verheirateten das Kommodchen (eine bestickte, überhöhte Pikeehaube) – für die Frauen.

 

Zeitreise durch Winden

im Jahre 1250 wurde Winden erstmals urkundlich erwähnt, heute zählt Winden ca. 800 Einwohner. Noch 1939 hatte Winden nur: 452 Einwohner. Das Wappen der Gemeinde, 1659 schon genannt, wird seit 1951 als Gemeindesiegel verwendet. Vom 16. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert wurde Erzbergbau betrieben.

Gräfin Mechtildis v. Sayn übermachte 1250 dem Kloster Arnstein das Patronat der Pfarrkirche zu Winden. Nachdem sie kurz zuvor das Dorf an die Abtei veräußert hatte. Arnstein war nun Landesherr dieses kleinen Territoriums. Vom 13. Jahrhundert bis 1812 – mit Ausnahme 1763-1766, wo zwei Weltpriester als Interimskuraten die Eintragungen machen – verwaltet denn auch ein Konventuale von Arnstein die Pfarrei.

Eine Urkunde vom 4. Oktober 1250 beweist, daß Winden schon damals eine Pfarrkirche besaß. Laut Historischen Unterlagen scheint es sich bei der jetzigen St. Willibrord Kirche (ad.St. Willibrordum) (St. Willibrord starb am 7. November 739 und wurde, gemäß seinem Wunsche, in Echternach beigesetzt) erbaut im Jahre 1789 um einen dritten Kirchbau zu handeln. Die heutige Kirche ist Eigentum der Kirchengemeinde Winden. Sie steht unter Denkmalschutz. Eine in der Kirche befindliche St. Willibrord-Statue wurde bereits um 1520 geschnitzt. Das Pfarrhaus das direkt neben der Kirche liegt wurde vor 1756 erbaut.

Ca. 2 km entfernt von der Kirche findet man die Michaels-Kapelle (erbaut auf einer alten Gerichtsstätte, das Windener Gericht wurde 1432 genannt) in Richtung Weinähr. Nach dem Titel der Kapelle zu schließen, ist die Michaels-Kapelle, früher eine beliebte Wallfahrtsstätte, zweifellos viel älteren Datums (1768) als die Willibrord Pfarrkirche, die 1788 neu gebaut u. von Kranken und Bresthaften (Gebrechlichen) ebenfalls als Gnadenstätte viel besucht wurde.

In den 30er und verstärkt in der Mitte der 40er Jahre setzte eine regelrechte Massenbewegung nach Amerika ein, die sich in wellenförmigen Schüben bis zum 1. Weltkrieg erstreckte und noch einmal in den 20er Jahren aufflammte. Es gibt kaum eine Ortschaft in der näheren Umgebung, die nicht betroffen war. Im Extremfall wurden ganze Dörfer aufgegeben, so im Jahre 1853 Niederfischbach (bei Katzenelnbogen) und Sespenroth (bei Montabaur). Weniger bekannt ist, daß auch unsere Nachbargemeinde Hömberg im Jahre 1852 nach Amerika übersiedeln wollte. Der Plan scheiterte am fehlenden Geld. Diejenigen, die sich die Überfahrt leisten konnten, verließen aber zahlreich den Ort. Bürger von Winden bemühten sich im gleichen Jahr um finanzielle Mittel zur Auswanderung nach Ungarn. Diese Beispiele mögen genügen, um zu demonstrieren, daß die Auswanderung auch in unserer Heimat ein Massenphänomen war.

1842 brechen in der Gemeinde die Menschenblattern aus. 1843 leben in Winden 753 Einwohner. Nassau wurde 1866 von Preußen annektiert, damit kam Winden in die Provinz Hessen-Nassau und gehörte dann zum Kreis Sankt Goarshausen.

Seit dem 07.11.1935 hat Winden eine größere Reliquie (bezeugt seit 1690) des hl. Willibrord. Zur Pfarrei Winden gehörten damals noch der Ort Dies (rechts des Baches) und die untergegangenen Dörfer Eschenau (jetzt Hof Eschenau der bereits im 13. Jahrhundert bezeugt wurde), Schirpingen, Ködingen und Hohenthal. 1939 zählt der Ort 452 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg bleibt der Ort weitestgehend verschont. Nach Ende des Krieges besetzen amerikanische Soldaten das Dorf, ziehen aber nach 3 Tagen bereits wieder ab. Die Fil. Weinähr wurde am 01.04. 1951 nach Arnstein umgepfarrt. Die Gemarkung Winden umfasst 700 ha, davon sind ca. 550 ha Wald mit reizvollen Wanderwegen. Winden liegt ca. 400 mtr. Oberhalb des Lahntales am Fuße des Westerwaldes. Ende der 50ziger Jahre trat eine rege Bautätigkeit ein. Alte Häuser im Ortskern wurden saniert, neue Baugebiete entstanden. So wurden bis heute ca. 200 Bauplätze neu erschlossen. Grundvoraussetzungen wie Wasser und Kanal mußten geschaffen werden. In den Jahren 1967 bis 1969 wurde ein Tiefbrunnen und ein Hochbehälter gebaut. 1970 folgte der Bau einer Kläranlage. Durch all diese Aktivitäten entwickelte sich Winden zu einer attraktiven Wohngemeinde.

Die Bemühungen zur Ortssanierung und Verschönerung wurden belohnt. 1976 wurde Winden „Schönstes Dorf von Rheinland-Pfalz“ und erhielt den Staatsehrenpreis. Zu einer weiteren Bereicherung für unsere Gemeinde zählt das Bürgerhaus, dass 1982 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Im Zuge der weiteren Ortssanierung wurde in den letzten 10 Jahren der Dorfplatz in der Mittelstraße und eine Anlage an der Kirchstraße mit Parkplätzen errichtet. Seit 1992 verfügt die Gemeinde über einen Kindergarten, der die Kinder von Winden und Zimmerschied betreut. Der Kindergarten ist in der Trägerschaft der Verbandsgemeinde Nassau. Im selben Jahr wurde mit dem Bau der Gasversorgung begonnen und ist bereits abgeschlossen. Im Jahre 2000 feierte Winden 750 Jahre (1250-2000). Eine neue Grillhütte steht seit 1994 den Bürgern zur Verfügung.

 

Winden wird „Schönstes Dorf von Rheinland-Pfalz“:

Maßnahmen der Ortsverschönerung 1969 bis 1976

1970 meldet sich Winden erstmals zu dem vom Land Rheinland-Pfalz ausgeschriebenen Wettbewerb „UNSER DORF SOLL SCHÖNER WERDEN“ an. Ein großer Teil der Bevölkerung beteiligte sich in zunehmendem Maße mit freiwilligen Arbeitsleistungen an der Ortsverschönerung. Der Weg zum Friedhof wurde befestigt. Vor dem Weinborn wurden Wiesen für ein Freizeitgelände angekauft. In der Nähe des Sportplatzes wurde ein Wanderparkplatz mit Rundwanderweg und einer Hinweistafel angelegt. Das gesamte Anwesen Weimer in der Obertalstraße einschließlich der großen Scheune Ecke Mittel- und Obertalstraße wurde angekauft und mit Hilfe der Bundeswehr abgerissen. Hierdurch gab es Platz an der Kreuzung. Es entstand eine große Grünfläche inmitten des Dorfes.

In den weiteren Jahren wurde der Friedhof neu angelegt. Die alte Bruchsteinmauer wurde durch eine kleine Mauer mit Jägerzaun ersetzt. Vor dem Friedhof wurde ein Parkplatz angelegt. Große Teile des Friedhofs wurden eingeebnet und bepflanzt. Im Schulgebäude wurden Toiletten eingerichtet. Das Haus Rose (Ecke Mittelstr./Hauptstr.) wurde von der Gemeinde angekauft und nach Abrundung der Ecke wieder verkauft. An der Kreuzung Neuer Weg / Trifftstraße wurden, unterstützt von Privatinitiativen, 3 Häuser abgerissen und die Freiflächen angelegt. 1975 wurden am Weinborn eine Kneippanlage mit einem Teich, einer Freischachanlage und eine große Grünfläche geschaffen. Der Ausbau der Ortsdurchfahrt trug ebenfalls zur Dorfverschönerung bei. An allen Straßen wurden neue Straßenschilder angebracht. Der Weg zum Sportplatz wurde geteert. Das alte Fachwerkhaus, Obertal 10, wurde der Gemeinde geschenkt, die es mit der Auflage der äußeren Herstellung des Fachwerks weiter verschenkte. Mit Unterstützung des Naturparks Nassau konnte ein Großteil der Brachflächen gerodet und an einen auswärtigen Landwirt zur Bewirtschaftung verpachtet werden.

Außerhalb des Ortsbereiches wurden zahlreiche Eichenbänke aufgestellt und das Wander- und Waldwegnetz ausgebaut. Dort, wie auch „Am Wilden Mann“, wurde eine Schutzhütte errichtet. Nachdem die Gemeinde Winden beim Wettbewerb dreimal den 5. Platz und 1975 den 4. Platz im Rhein-Lahn-Kreis erreichte, gelang ihr 1976 der Durchbruch: sie wurde 1. Kreis- und 4. Bezirkssieger. Am Montag den 9. August 1976 musste sich dann das Dorf der Landeskommission zeigen. Der gesamte Gemeinderat sowie Vertreter der Dorfvereine, wobei auch der „Möhnenclub“ nicht fehlte, begleiteten die Kommission beim Rundgang. Am Freitag dem 13.08.1976 konnte Ortsbürgermeister Helmut Klöckner die Nachricht in Empfang nehmen:

„Winden ist Landessieger und schönstes Dorf von Rheinland-Pfalz 1976“

staatspreisDer Rundfunk brachte ein Interview mit dem Ortsbürgermeister und das Fernsehen sendete in der Landesschau am 17.08.1976 einen kleinen Film von Winden. Am 16.11.1976 fanden in Mainz im Kurfürstlichen Schloß die Siegerehrung und die Verleihung des Staatspreises durch den stellvertretenden Ministerpräsidenten Otto Meyer statt, an der 79 Windener Bürger teilnahmen. Die Hälfte der Teilnehmer hatte eine Einladung von Staatssekretär Willibald Hilf angenommen und war bereits vormittags zu einem Empfang in die Staatskanzlei gekommen. Anschließend führte der bekannte Fastnachter Rolf Braun die Gruppe durch die Stadt. Den krönenden Abschluss dieses für Winden einmaligen Tages feierte man gebührend in der Winzergenossenschaft Rauenthal.

 

Windens Ausscheller:

(Gemeindediener – Ortsdiener – Polizeidiener)

“Es wird folgendes bekannt gegeben:” ausscheller_josef_noll Mit diesem Ausruf ging der Ausscheller durch Winden und verlas an verschiedenen Plätzen die neuesten Bekanntmachungen und Termine der Gemeinde. Der Gemeindediener war neben- beruflich beschäftigt bei der Gemeinde, seine Aufgabe waren die mündliche Verbreitung amtlicher Bekanntmachungen, Termine, die Bekanntgabe der nächsten Gemeinderatssitzung, der Aufruf zu Feuerwehrübungen, die Ankündigung von Bürgerversammlungen, das Ablesen der Wasseruhren, aber auch die Bekanntgabe von Reparaturarbeiten an öffentlichen Wasserleitungen. Auf diese Weise wurde den Windenern alle Dinge, die von allgemeinem Interesse waren mitgeteilt.

Da der Gemeindediener immer eine Glocke mit sich führte, um auf sich aufmerksam zu machen, wurde er landfläufig auch Ausscheller genannt.

Windens letzter treuer Ausscheller, Gemeindediener und Wassermeister, † Josef Noll im Dorf auch „Sheriff“ genannt, war wegen seines trockenen Humors allseits beliebt und geschätzt. Josef Noll kannte jeden einzelnen Wasserschieber im Dorf und war durchaus in der Lage diese auch in der Nacht zu finden. Vierteljährig war er unterwegs um das Wassergeld zu kassieren. Hierzu musste er in jeden Keller im Dorf, um zuvor die Wasseruhr abzulesen. In einer Familie, die nicht zahlungsfähig war, verwies Josef Noll auf einen vollen Aschenbecher (wofür augenscheinlich Geld da war). Er drohte damit, dass er am nächsten Tag das Wasser abstellen würde, wenn das Geld nicht da wäre. In diesem Fall würde er persönlich der Familie jeden Tag einen Eimer Wasser bringen.

letzte_ziegeBeim Kassieren des Wassergeldes bekam Josef Noll oft auch einen Schnaps ausgeschenkt, so dass das Aufsuchen der Keller im Laufe des Tages für ihn immer beschwerlicher wurde. Finanziell war der Nebenjob als Ausscheller, Gemeinde- und Polizeidiener auch nicht gerade ergiebig. Weniger als 250 DM im Monat (etwa 125 €) waren zur damaligen Zeit als Lohn üblich. In einer Feierstunde im Bürgerhaus überreichte der Sohn von Josef Noll, † Rudi Noll die Schelle und die Mütze seines bereits verstorbenen Vaters an den damaligen amtierenden Bürgermeister † Manfred Linscheid. Die Schelle befindet sich heute noch im Bürgerhaus und wird bei Fastnachtsveranstaltungen vom Elferrat genutzt.

Der Dienst des Ausschellers wäre heute undenkbar. Die tägliche Lärmkulisse auf unseren Straßen würde ihm kaum die Möglichkeit geben seine Informationen zu Gehör zu bringen. Früher als das Dorf noch bäuerlich strukturiert war, befanden sich die meisten Leute über Mittag zu Hause und jeder konnte die Neuigkeiten des Ausschellers hören. Das ist heute nicht mehr der Fall. Zumal man mit der Zeit auf moderne Medien umgestiegen ist. Heute ist es nicht unüblich wichtige Informationen bezüglich der Dorfgemeinschaft über Druckerzeugnisse oder auch über das Internet zu verbreiten. Das Mitteilungsblatt kann man mittlerweile auch im Internet lesen. Der Beruf des Ausschellers wurde durch das wöchentliche Erscheinen des Mitteilungsblattes der Verbandsgemeinde Nassau überflüssig.

Von 19.. bis ca. 19.. (sollte jemandem der genauere Zeitraum bekannt sein, so bitte ich um eine kurze Nachricht) übernahm die Ortsschelle Josef Noll. In den Jahren zuvor war es † Wilhelm Kurth. Seine ganze Familie nannte man in den 60igern „Ausschellersch“ (Ausschellers – Wilhelm und Ausschellers Käth, die Großeltern von Gisela Wolf). Davor soll es † Christian Raab, damals wohnhaft in dem kleinen (Mini) Eckhäuschen Triftstraße / Neuer Weg, gewesen sein. Christian Raab soll eine sehr spaßige Wesensart besessen haben. Auch Johann Ebert * 02.04.1813 + 30.12.1882 (einer meiner Vorfahren) verheiratet mit Philippina Berg, war in Winden Gemeindediener. In welchem Zeitraum ist mir leider nicht bekannt.

Viele Gemeinden zollen ihrem Ausscheller mit der Errichtung eines Standbildes auf dem Dorfplatz ihre Anerkennung. Vielleicht finden sich in Zukunft Sponsoren, die es der Gemeinde Winden ermöglichen, diesem vergessenen Berufsstand ebenfalls ein Denkmal zu setzen.

 

Alte Straßennamen:

Als Winden noch etwas kleiner war, bedurfte es eigentlich keiner Straßennamen. Jeder kannte jeden und jeder wusste, wo wer wohnt. Alle Straßennamen wurden im Windener Dialekt gesprochen. So hieß z.b. die heutige Hahnenstraße, damals Hunggass. Auch bei der damaligen Postzustellung benötigte es eigentlich keinen Straßennamen, schließlich kannten Seiferts † Maria und ihr Mann † Fredi (Windener Postboten Ehepaar) alle Windener persönlich. Ich glaube sogar das die beiden nur auf den Namen des Empfänger  schauten und nicht etwa auf den Straßennamen. Dort hätte auch fälschlicherweise als Straßennamen „unter dem Wirsingkopf“ stehen können, die Post hätte trotzdem den richtigen Empfänger erreicht.

 

Aahle Weesch Hauptstraße Hauptstraße 36 Richtung Weinähr
Ober Aahle Weesch Obertalstraße Obertalstraße ab altem Rathaus bis Hauptstraße
Unter Aahle Weech Hauptstraße Hauptstraße 26 – 35
Nerr Schulstraße Schulstraße 1 bis 10
Leitz oder auch Balkan Mittelstraße Mittelstraße 14 bis ehem. Haus Schuster
Plaster Obertalstraße ab Obertalstraße 10
Dalles Kreuzung Mittel – Obertalstraße
Bärde Schulstraße Schulstraße 34 – 10
Treft Triftstraße Triftstraße 2
Hohl Obertalstraße Obertalstraße 29 – 32
Hunggass Hahnenstraße Hahnenstraße 1 – 12

 

Schirpingen und Ködingen:

Schirpingen, im 14. Jh. auch Scherpingen, Schirpungen, 1 km nw. von Winden zwischen Winden und Welschneudorf , wahrscheinlich von Scarpa (lat. Name). In der „Abgrenzung des Windener Gerichtes“ heißt es, dass Schirpingen mit einer Steinmauer umgeben war. Schirpingen und Ködingen sind zwei von der Ungunst der Zeit verschluckte Dörfer. Schirpingen ist zwar ein ausgegangenes (ausgestorbenes) Dorf das jedoch im Jahre 1450 noch bestand, im Gerichte Winden lag und auch arnsteinisch war. Schirpingen verglich sich mit Ainre (Weinähr) und Winden über die Markung und Waldungen.

Ködingen (abgeleitet von Kote – Kate – Hütte) soll zwischen Winden und Nassau gelegen haben. Das „Scherbinger Feld und Wald“ ist bis heute als Flurbezeichnung geblieben. Nach Berichten sind die beiden Dörfer, welche fast ganz ausgestorben waren, nach dem 30jährigen Krieg durch Einwohner von Winden wieder belebt worden, so dass Winden dadurch einen starken Verlust erlitt. Die Wiederbelebungsversuche in Schirpingen und Ködingen sind aber bald wieder aufgegeben worden, die Siedlungen gingen ein. Gründe dafür findet man unter anderem in seiner Lage. Seine Lage inmitten des Waldes wurde ihm bei der zunehmenden Wild – vor allem Wildschweinplage zum Verhängnis, der feldmäßige Anbau lohnte sich immer weniger. Der Friedhof von Schirpingen soll an dem heutigen Wege nach Welschneudorf gelegen haben. Um die Jahrhundertwende hauste der Windener „Einsiedler“ Dommermuths Michel in einer Höhle auf dem Schirpinger Feld.

Abt Anton Schlinkmann (1663 – 1697) schreibt: Schirpingen, Diesch (Dies) und Essenauw (Echenau) samt Ködingen und Hohental sind in gänzlichen Abgang geraten und gar verkommen.

 

Das Silwucher Marieche:

Entstehung des Namens Silwuch:
(Etymologische Entstehung dieses Namens: Silberbach – Silbach – Silboch – Silbuch – Silwuch)

Aus Erzählungen meines Großvaters Bernhard Kaspar, geboren im Jahre 1906 erfuhr ich, daß eine junge Frau wohnhaft an der Grube Anna (im Windener Dialekt Silwucher Marieche genannt) nicht ins Dorf ziehen wollte. Lieber wollte sie im Grubenhaus, dem Silwucher Haus (auch genannt, Verles – Haus) verbleiben. Sie zog die Einsamkeit der Silwuch, dem Schutz des Dorfes vor. Problematisch wurde ihre Entscheidung meist nur im Winter. Die Winter in Winden waren geprägt von jeder Menge Schnee, 80 cm Höhe war durchaus keine Seltenheit. Laut Aussage meines Großvaters war das Silwucher Marieche eher zierlicher Natur, so dass es ihr, bedingt durch die Schneemassen, nicht möglich gewesen wäre ihren Vorrat an Lebensmitteln, durch Besuche im Dorf aufzufüllen. Sie hatte zwar gegenüber vom Grubenhaus einen eigenen Brunnen, (abgedeckt mit einem Holzdeckel) und einen eigenen kleinen Garten, dennoch war sie ab und zu auf Besorgungen im Dorf angewiesen.

Aus diesem Grund wäre es für die Windener selbstverständlich gewesen, den Weg von Winden zum Grubenhaus freizuschaufeln. Was jedoch eine sehr Kraft und Zeit aufwändige Arbeit gewesen sei. Wenn man bedenkt wie weit es vom Dorf bis zum Grubenhaus war, (2,5 km) dann kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Zumal dieses Tun auf absolut freiwilliger Basis geschah und als nichts besonderes angesehen wurde. Meine Tante Marianne (geb.1936) bestätigte mir die Angaben meines Großvaters. Sie selbst hat als Kind das Silwucher Marieche ab und an auf dem Weg ins Dorf gesehen.

Wie die junge Frau mit Nachnamen hieß, ist mir leider nicht bekannt und hat mich interessanterweise als Kind während den Erzählungen meines Großvaters auch nicht interessiert. Viel zu beeindruckt war ich vom winterlichen Handeln der Windener Dorfbewohner. Wie lange die Frau gelebt hat und in welcher Zeit sich alles zugetragen hat ist mir ebenfalls nicht bekannt. Sollte sich noch jemand von den älteren Windenern daran erinnern, so würde ich mich sehr über eine Nachricht freuen.

Eine Reaktion auf meine Bitte lies nicht lange auf sich warten. Anfang September 2010 meldete sich telefonisch eine sehr sehr nette alte Dame Namens Elsbeth Ackermann geborene Pehl (die Tochter von Schucks Lieschen) aus Eckardsborn bei mir und erzählte mir alles was sie noch wußte über das Silwucher Mariechen. Frau Ackermann wurde als Enkelin von Jakobine Schuck und Tochter von Jakobine Elisabeth Schuck verheiratete Pehl (der Vater Jakob Pehl, stammte aus Hübingen) im März 1923 geboren. Ihr Elternhaus lag direkt links am Anfang der Hahnenstrasse. Elsbeth Ackermann, heute (2010) 87 Jahre jung kann sich durch persönliche Bekannt- und Verwandschaft zum Silwucher Mariechen (Mariechen war eine Nichte von Frau Ackermanns Großmutter Jakobine Schuck) noch sehr gut an sie erinnern. Frau Ackermann war so freundlich und hat mir Ihre Erinnerungen anschließend mit einigen Fotos schriftlich zukommen lassen. Ich freue mich sehr darüber, das Frau Ackermann uns an Ihren Erinnerungen teilhaben lässt und bedanke mich recht herzlich bei ihr und wünsche ihr allzeit gute Gesundheit.

Anmerkung:
Der Text wurde genauso von mir wiedergegeben, wie ich ihn von Frau Ackermann erhalten habe.

mari_01Das Haus in der Silwuch gehörte einem Bergwerk – Konzern. Dort versammelten sich die Bergleute aus der Umgebung, um gemeinsam durch den Stollen, der gegenüber dem Haus liegt, zur Arbeit zu kommen. In dem Gebäude wurden auch die Löhne ausgezahlt. Wahrscheinlich lohnte sich die Ausbeute nicht mehr und das Haus stand dann leer.

Mariechen war in Stellung als Zimmermädchen in einem Hotel in Bad Ems, dort lernte sie den Vater ihres Sohnes (der aus Bayern stammte und ebenfalls dort arbeite) kennen und lieben. Nachdem Mariechen schwanger wurde, verschwand der Kindsvater von heute auf morgen. Mariechen fuhr nach der Geburt ihres Sohnes Franz (im Winter) mit ihm nach Bayern um den Kindsvater zur Rede zu stellen. Nicht willkommen und ohne Erfolg mußte sie die Heimreise als ledige Mutter nach Winden antreten. Mariechen erwarb anschließend das leerstehende Grubengebäude und wohnte dort mit ihrer Mutter und ihrem Kind (Der Nachnahme der alten Frau ist mir nicht bekannt, ich weiß nur daß sie eine geborene Jung war). Im unteren Teil des Hauses hatte sie einen kleinen Stall. Dort hielt sie ein Schwein, eine Ziege und Geflügel. Einen Garten hatte sie sich auch angelegt.

Im Winter war es sehr beschwerlich ins Dorf zu kommen, denn der Ort lag ca. 2 1/2 km entfernt. Durch den Schnee war er nicht zu erreichen. Mariechen war sehr religiös und besuchte regelmäßig die Frühmesse. Wenn der Pfarrer sie nicht in der Kirche sah, bestimmte er Männer, die den Weg vom Ort bis zum Haus frei machten. So konnte sie sich auch mit Lebensmitteln versorgen.

mari_02Die Silwuch war ein herrliches Tal, links war Mischwald und rechts hohe Tannen.

Im Dorf gab es auch ein Original, der Dommermuts Michel. Er trug ein Kissen bei sich. Wenn ihm jemand entgegen ging, schmiß er das Kissen auf den Boden und legte sich drauf. Er wollte gerne bedauert werden.

Dann gab es noch einen Außenseiter. Der lebte im Wald in Richtung Scherbingen, in einer Höhle die er sich wohnlich ausgebaut hatte. Leider war der Mann nicht sehr beliebt, allerdings grundlos. Seine Behausung wurde mehrmals zerstört und er wurde verjagt.

Das erzählte mir alles meine Mutter. Meine Familie war verwand mit Mariechen und ihrer Mutter. Ich selbst habe sehr oft bei Mariechen die Ferien verbracht.

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Die Aufnahme (ca. 1914) rechts zeigt:

v.l.n.r.
Jakobine Schuck (Großmutter von Elsbeth Ackermann), Jakobine Schuck (Bienchen, Tante von Elsbeth Ackermann), Johann Schuck (von Beruf Dachdecker, Großvater von Elsbeth Ackermann) und Johann und Peter Schuck (beides Onkel von Elsbeth Ackermann).

Zur Familie gehörten noch (aber nicht auf diesem Foto) Heinrich Schuck, er arbeitete als Dachdecker in der Stadt und Jakobine Elisabeth Schuck (Mutter von Frau Ackermann) die bereits in Stellung als Hausmädchen war.

 

Kulturdenkmäler:

Die Liste der Kulturdenkmäler stellt den Bestand der zum jetzigen Zeitpunkt erfassten Denkmäler von Winden vor.
Grundlage ist die Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz (Stand: 19. Oktober 2009).

Hahnenstraße 4: Katholische Pfarrkirche St. Willibrord; vierachsiger Bruchsteinsaal, 1788/89
Hauptstraße 14: Fachwerkhaus, teilweise massiv, 17. Jahrhundert
Hauptstraße 31: Fachwerkhaus, verkleidet, wohl aus dem 17. oder 18. Jahrhundert
Mittelstraße 10: stattliches Fachwerkhaus, teilweise massiv, 17. oder 18. Jahrhundert
Mittelstraße 11: Fachwerkhaus, verkleidet, wohl aus dem 17. oder 18. Jahrhundert
(bei) Mittelstraße 13: gusseiserner Pumpbrunnen, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts
Obertalstraße 4: Fachwerkhaus, teilweise massiv, verschiefert und verkleidet, wohl aus dem 17. oder 18. Jahrhundert
Obertalstraße 10/11: Fachwerkhaus, teilweise massiv, 17. oder 18. Jahrhundert
Obertalstraße 28: Fachwerkhaus, teilweise verschiefert, 18. Jahrhundert
Obertalstraße 29: Fachwerkhaus, verkleidet, wohl aus dem 17. oder 18. Jahrhundert

Grundlage ist die Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz (Stand: 19. Oktober 2009).

Gemarkung

Wegekapelle, südöstlich der Ortslage an der Straße nach Weinähr: Putzbau, wohl Fachwerk, bezeichnet 1768

Quelle: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Rhein-Lahn-Kreis (PDF; 1,3 MB). Koblenz 2009.

Zeitdokumente:

„Verkehrs und Adressbuch aus dem Jahre 1926“
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